CarlRoswitha
 
Beratung Coaching Psychotherapie

Change together
 
 
Ganz im Sinne der NLP - Tradition sind wir auch in unserem NLPImpulse-Team immer wieder mit dem Filter unterwegs, zu entdecken was wirksam ist. - Unter wirksam verstehen wir sinnvolle, praktikable Lösungswege, deren Ansatz sich im Rahmen der NLP-Methode gut integrieren lässt. Besonders interessante Anregungen dafür finden wir immer wieder in der narrativen Therapie, die mein zweites methodisches Standbein darstellt. Im deutschsprachigen Raum ist die narrative Therapie bisher noch wenig verbreitet. Ich hatte jedoch die Möglichkeit,meine Ausbildung in einem 16-tägigen Basis- Lehrgang sowie mehreren 4-tägigen Weiterbildungen bei Jill Freeman, Vicky Dickerson, James und Melissa Griffith (USA), David Epston, Maggie Carey, Shona Russel und Alice Morgan (Australien) sowie Stephen Madigan (Canada) zu machen.

Das Wort Narrativ kommt von narrare (lat.) und heißt "erzählend" - "in erzählender Form darstellend".
Die Ursprünge der narrativen Therapie in dieser Form gehen auf den Familientherapeuten Michael White, Australien zurück. Sie hat ihre Wurzeln so wie das NLP in Gregory Batesons kybernetischen Modell und dem sozialen Konstruktivismus. Aus eben diesen Wurzeln entwickelten White und sein Team eine Haltung, die eine neue und dennoch "NLP"- verwandte Herangehensweise an Veränderungsarbeit möglich machte.
 
Narrative Haltung und Grundgedanken
 
Folgende Grundgedanken des sozialen Konstruktivismus und ihre Auswirkungen prägen die narrative Haltung:

1. Realität und auch Identität sind kein absoluter und allgemeingültiger Zustand, sondern ein Prozess.
2. Realität wird beeinflusst und abgebildet u.a. durch Sprache und deren Gebrauch. Die Art und Weise wie Sprache eingesetzt wird , spiegelt Machtverhältnisse wider und untermauert sie. (so z.B. männliche Formulierungen, Diagnosestellungen, der Gebrauch von pathologisierender Sprache, Fachsprache etc.)
3. Durch Erzählungen werden subjektive Wahrheiten geprägt Das unbewusste oder bewusste Suchen von Ereignissen, die die ursprüngliche Erzählung erhärten, untermauert diese Wahrheit.
Das gilt sowohl für schwächende als auch für unterstützende Erzählungen, sowohl für individuelle Lebensgeschichten als auch für kulturelle Diskurse
4. Das Erzählen von solchen dominanten, das heißt prägenden Geschichten formt die Identität.

Restorying
 
Aus diesen Gedanken und ihren Erfahrungen mit "Problemgeschichten" heraus entwickelten die Narrativen unter anderem die Praktik des Restorying, des Neuerzählens. Das heißt, ein Klient erzählt seine Problemgeschichte und die Auswirkungen die diese Geschichte auf sein Leben hat. Dabei ist das Externalisieren des Problems ein wesentlicher Schritt.
Externalisieren bedeutet, dass über das Problem wie über etwas gesprochen wird, das ein Eigenleben führt und sich in das Leben des Klienten einmischt - das Problem wird sozusagen personifiziert.
Dies hat den Effekt, dass der Klient spürt, dass er eine Identität hat, die von dem Problem unberührt ist und er somit nicht das Problem ist. Das erleichtert den Zugang zu seinen Ressourcen und positiven Erfahrungen.
Ein praktisches Beispiel:
 
So kam ein Klient eingangs mit der Problembeschreibung zu mir, dass er mit seinem Chef nicht zurechtkomme - sich nicht anerkannt fühle. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass die Auswirkung die ihn dabei am meisten belastete, war, dass er aus Angst vor weiteren Schwierigkeiten bereits vermied, seine eigenen Vorstellungen überhaupt zu äußern. In der externalisierten Formulierung kam der Klient zu folgender Situationsbeschreibung: "Die Angst vor Ablehnung ist so stark, dass sie es schafft, mich dazu zu bringen, dass ich mich verleugne. Sie schafft es, dass ich Dinge die mir wichtig sind und die ich für richtig halte nicht mehr äußere. So raubt die Angst vor der Ablehnung mir auch noch meinen Selbstrespekt."
 
Im weiteren Verlauf werden Eintrittspforten für eine neue, bevorzugte Geschichte gesucht - z.B. durch das Herausfinden von Ausnahmen, das Einnehmen anderer Sichtweisen etc Dies macht das Neuverfassen einer Erzählung möglich, die die erwünschte Realität und Identität unterstützt. Im Anschluss daran folgt eine Reihe von Praktiken, die diese Geschichte verdichten - also realer machen. Dazu werden auch Verbindungen zu Personen wieder oder neu geknüpft, die die erwünschte Realität und Identität unterstützen. Beispielsweise indem sie von Ereignissen erzählen, wo sie bereits Zeuge waren, als der Klient schon in der Vergangenheit im Sinne der neuen Identität gehandelt hat (Ressource). Oder aber auch indem sie sich bereit erklären, die Person auf ihrem Weg zu dieser neuen Identität zu unterstützen - durch Mentoring, konkrete Alltagshilfen, psychischer Unterstützung um nur einige wenige Möglichkeiten zu nennen.

Im oben zitierten Fall konnte der Klient auf ein paar Erfahrungen zurückgreifen,( die zum Teil auch aus seiner früheren Vergangenheit und aus Situationen stammten, in denen der Chef noch keine Rolle spielte) wo er die Angst vor Ablehnung überrumpeln konnte oder auch wie er es nannte "überstimmte". Dies waren Gelegenheiten, bei denen er entweder schneller seine Vorstellungen äußerte als die Angst vor Ablehnung es schaffte, ihn zu besetzen oder Situationen in denen er trotzdem seine Vorstellungen aussprach. Im weiteren Verlauf benannte der Klient den Anteil der ihm das möglich machte mit "Selbstachtung". Indem er weitere Beispiel fand, wo die "Selbstachtung" aktiv war, verdichtete er die gewünschte Identität.
Weitere Unterstützung holte er sich bei einem langjährigen Freund, den er bat mit ihm dafür zu sorgen, dass die Selbstachtung in seiner Identität einen größeren Raum kriegen würde. Ganz konkret zum Beispiel in dem er ihn vor anstehenden Unterredungen mit dem Chef anrufen durfte um sich von ihm diesbezüglich den rücken stärken zu lassen. Außerdem legte er eine Art Journal der Selbstachtung an in dem er seine Siege über die Angst vor Ablehnung dokumentierte - die aus der Vergangenheit ebenso wie die neuen . Mit diesem neuen inneren Gleichgewicht konnte er seine Interesse zum einen gegenüber seinem Chef, aber auch im privaten besser vertreten.

 
Das beschriebene narrative Strickmuster regte uns im NLPImpulse-Team an eine überaus kraftvollen und schönen NLP-Übung zu kreieren.

Change Together
 
In dem Change Together Prozess erzählt eine Person A ein Ereignis, Gedanken oder ein Belief, das sie einengt, einer zuhörenden Gruppe. Diese Gruppe bietet die Möglichkeit eine Realität und Wahrheit, die die betroffene Person A empfindet und verändern möchte, aufzuweichen. Dazu wiederholt jedes Gruppemitglied in seinen Worten, was es gehört hat. So kann A bereits so etwas wie einen Spielraum innerhalb der verschiedenen Erzählungen und damit Realitäten spüren. Im nächsten Schritt bringen die Zuhörer Reframings, ressourceorientierte Metaphern und Zukunftsvisionen ein. Dieses Angebot verschiedener Lösungsmöglichkeiten und Zukunftsversionen setzt so etwas wie ein Neuverfassen der Geschichte in Gang. Die Erzählung wird im letzten Schritt von A autorisiert, indem sie ihre neugewonnene Sichtweise der Zukunft erzählt und auswählt was für sie passt- Entsprechend dem Future pace im NLP. Für die Durchführung dieser Übung ist es wichtig, ein Setting aufzubauen das gewährleistet, dass die "reflektierende Zuhörergruppe" eine empathische lösungs- und ressourceorientierte Haltung einnimmt, aus der heraus sie dann ihre Beiträge macht. Das heißt, für die Anwendung ist es günstig, wenn die Teilnehmer NLP-Erfahrung haben.



Hier also der eigentliche Ablauf der Übung:
Change Together
Ziel: Veränderung einengender identitätsprägender Beliefs Anwendungsfelder: Teamcoaching, Identitätsarbeit, Balancierung Es arbeitet je eine Kleingruppe von 4 bis 6 Teilnehmern zusammen.

Wir vermitteln dieses Übungsformat in unseren NLP-Master-Praktitioner und NLP Coaching - Ausbildungen.



Dies stellt ein Beispiel für die vielfältigen Möglichkeiten dar, die in der Integration NLP und die narrative Therapie liegen. Die Erfahrungen aus meiner Einzelpraxis zeigen, dass NLP und die narrative Therapie sich auf vielfältige Weise gegenseitig ergänzen und so viele Klienten noch leichter Zugang zu ihren Ressourcen haben und eigenverantwortlichen ihren persönlichen Lösungsweg gehen können. Im Rahmen von pfefferkom biete ich zusammen mit meiner Kollegin Dr.Simone Pfeffer am 16./17.April 2010 in Bamberg einen Einführungskurs in die narrative Therapie und Beratung an. Bitte informieren Sie sich telefonisch oder über die Homepage www.quanticloop.com

Literatur:
Jill Freeman, Dean Lobovits, David Epston:
Ernsten Problemen spielerisch begegnen.verlag modernes lernen-Dortmund
Michael White, David Epston:
Die Zähmung der Monster. Carl-Auer-Systeme Verlag
Über die Autorin
Roswitha Carl:
Ergotherapeutin, Psychotherapeutin (ÖPTHG;HPG,ECP),
NLP-Lehrtrainerin und Lehrcoach.
Arbeit in freier Praxis in Traunstein&München